Sinn & Unsinn von Leckerlitraining

7 Gründe, warum wir das Training mit Leckerlis für nicht zielführend ansehen und sogar davor warnen

Zu Beginn müssen wir vorausschicken, dass es für uns um Leckerlitraining geht, wenn Hunde oft, häufig oder immer mit kleinen Futterstücken belohnt werden, wenn sie etwas für ihren Menschen getan haben. Dabei kann es ein einfaches „Sitz“ oder „Fuß laufen“, ein Pfötchen geben oder einfach nur ein „Weil du so schön Papa begrüßt hast“ sein.

Leckerlis sind für uns kleine Futterbrocken, -bröckchen, welche fressbar sind und als Hauptmahlzeit oder zusätzlich zum Futter gegeben werden. Nur zum Verständnis, damit wir alle vom Selben reden.

Wir lehnen Leckerlis für die Erziehung von Hunden ab, weil…

1. Aus Ernährungssicht: Das Training mit Leckerlis ist eher kontraproduktiv für den Magen-Darm-Trakt“. Nun kommt etwas, was viele Hundehalter und Hundetrainer leider nicht wissen. Jedes Mal, wenn etwas Fressbares in den Magen des Hundes fällt, wird dieser mit Magensäure aufgefüllt und der Magen signalisiert dem Gehirn, dass er jetzt anfängt zu verdauen. Eigentlich ist der Magen dazu da, aus einem STÜCK Futter, einen Brei zu machen. Da der Magen das Stück in seiner Größe aber nicht definieren kann, füllt er den Magen mit Säure auf, egal ob 5g oder 500g den Magen erreichen. Der Magen macht normalerweise aus einem größeren Stück Fleisch über ca. 8 Stunden hinweg einen Brei, und dieser Brei wird dann dem Dünndarm zugeführt.
Jetzt bekommt der Magen aber viele Male am Tag gesagt: „Säure produzieren, verdauen, Säure produzieren, verdauen…“. Dass dabei der Magen etwas aus dem Gleichgewicht gerät, ist für uns gut nachzuvollziehen.

Foto: Silke Richter

2. Der Mensch: Durch diese Handlungsweise der Leckerligabe, was einem Bezahlsystem gleichkommt (Leistung – Gegenleistung), muss der Hund für eine Aufforderung etwas für den Menschen tun und im Anschluss bekommt er eine „Belohnung“. Verhaltenstechnisch geht der Mensch damit eine geschäftliche Beziehung mit seinem Hund ein. Der eine hat etwas und der andere will es. „Du, Kunde Hund, bekommst von mir (Händler/

Hundehalter) ein Leckerchen, wenn du etwas für mich machst.“ Es entsteht also dieses einfache Bezahlsystem. Der „Händler Hund“ hat die Ware, z.B. „Sitz“, und gibt diese an den „Kunden Mensch“ gegen eine Bezahlung (Leckerli) gern ab. Der Hund macht „Sitz“ und der Halter gibt dafür Futter. Wie absurd. Hunde können mit ca. 2 Wochen sitzen. Dann kommt in der 8. Lebenswoche der Mensch hinzu und fängt an, dem Hund nach dem Hinsetzen Futter aufzudrängen. Natürlich wird ein Hund diese kostenlose Futtergabe selten ablehnen. Stellt kostenloser Zugang zu Futter doch eine Art Privileg dar, Futterressourcen zu haben. Und fürs Futter nichts machen zu müssen, außer einen Trick vorzuführen, hebt Hunde ins Wichtigsein. Ja, „Sitz“ „Platz“ werden ausschließlich zum Trick, zur Dressur, wenn Hunde dafür Futter bekommen. Hunde zeigen das erwünschte Verhalten, weil sie etwas dafür bekommen, nicht weil sie es für den Menschen tun. Hunde, die „Sitz“ für IHREN Menschen machen, weil IHR Mensch sie einfach dazu auffordert, brauchen keine Leckerlis dafür.

3. Die schlauen Hunde: Menschen werden dadurch zum Futterautomaten degradiert. „Zeige er mir das Futter, und ich zeige ihm, ob ich es tun werde.“, ist oft die Antwort eines Hundes auf die Aufforderung des Menschen, etwas für ihn zu tun. Und viele Hundehalter sind so „nett“ und zeigen dem Hund, dass sie Futter mithaben. Manchen Hunden reicht der Griff zur Hosentasche oder zum Leckerlibeutel (die Anzahlung oder das Versprechen auf Bezahlung). Die aber, die ihre Menschen richtig im Griff haben oder vorführen wollen, bestehen auf dem Zeigen des Futters. „Erst will ich das Geld sehen, dann …“, lautet deren Devise. Sie trauen dem Menschen nicht und haben die Absicht, sich ihr Handeln erst vorher bestätigt zu wissen.

4. Der Nutzen: Leckerlis dienen oft nur einem, dem Hundetrainer. Wenn ich einen Hund dazu bringe, sich hinzusetzen, nur weil ich es sage, ohne, dass der Hund Angst vor mir hat oder Futter erwartet, dann kann ich davon ausgehen, dass dieses Mensch-Hund-Team eine gute Beziehung oder gar gute Bindung zueinander hat. Oberflächliche Beziehungen oder Geschäftsbeziehungen haben oft die Grundlage von Geben und Nehmen. Eine gute Beziehung oder gar Bindung kann man sich nicht erkaufen. Diese Art der Erziehung dauert und braucht Zeit zum Wachsen. Zeit, die sich viele Hundetrainer, insbesondere TV-Hundetrainer, nicht nehmen und nicht haben. Keiner der TV-Trainer kommt ohne Leckerlis aus. Egal ob Cesar Millan, Martin Rütter, Holger Schüler oder Christian Lindner … jeder von ihnen arbeitet mit Leckerlis. Es geht schnell und bringt Erfolg. Erfolg dem Hundetrainer, denn es geht ja schnell. Das Symptom ist schnell behandelt, und wer schnell etwas behebt, muss doch gut sein! Pech nur, dass viele Symptome schnell wiederkommen/kommen können, denn die Ursache wurde leider nicht angegangen.

5. Die Sinnhaftigkeit: Leckerlitraining ist in der Verhaltenstherapie oft nur eine Symptombehandlung, kein Abstellen der Ursache. Beispiel: Ein Hund bellt einen anderen Hund an der Leine aggressiv an. Statt zu analysieren, warum der Hund den anderen aggressiv anbellt, wird dem aggressiv bellenden Hund ein Futterbrocken, die Leberwursttube … vor die Nase gehalten und in den Aggrohund hineingestopft, was das Zeug hergibt.

Vielleicht verstehen einige Hundehalter, was sie ihrem Hund antun, wenn wir es mal auf den Menschen ummünzen.
Du hast ein Haus und in dem Haus entdeckst du nach Wochen oder Jahren Schimmel.
Ein Hund zieht bei dir ein und nach Wochen oder Jahren zeigt er erstes aggressives Verhalten.

Du hast im TV gesehen, dass man Schimmel mit Chemie behandeln kann und danach überstreicht. Alles weg, prima. Du fragst aber leider keinen Fachmann, woher der Schimmel kommen kann, denn er ist ja weg.
Du hast im TV einen Hundetrainer gesehen, der eine Klapperdose (mit Steinen gefüllte Dose, die laut klappert, wenn man sie schüttelt) nimmt und nach dem Hund wirft, wenn er Aggressivität zeigt, und der Hund plötzlich aufhört, aggressiv zu sein. Das machst du natürlich nach, denn der im Fernsehen hat ja Ahnung.

Blöd nur, dass der Schimmel nach ein paar Tagen/Wochen wiederkommt, da die Ursache (z.B. eine feuchte Wand) nicht beseitigt wurde.
Der Hund zeigt sein aggressives Verhalten nach kurzer Zeit wieder, da sich die Klapperdose bedauerlicherweise abgenuddelt hat und der Hund darauf nicht mehr reagiert. Zudem wurde die Ursache (z.B. territoriales Verteidigen) nicht angegangen. DAS zeigen die TV-Trainer leider nicht, denn dann würde dies ja zeigen, dass ihre Methode nicht greift.

So wäre es besser:

Du holst dir einen FACHmann/eine FACHfrau ins Haus und er oder sie analysiert, wo die Ursache des Schimmels herkommt. Er stellt fest, dass das Mauerwerk feucht ist, und empfiehlt, das Haus trockenzulegen, austrocknen zu lassen, die Wände danach zu reinigen und erst dann im Anschluss zu streichen. Diese Ursachenbehebung dauert aber längere Zeit und kostet mehr Geld, als nur die Farbe zu streichen. Das Ergebnis ist aber eine dauerhaft schimmelfreie Wand.
Du holst dir einen erfahrenen und AUSGEBILDETEN HundeLehrer/eine HundeLehrerin, welcher durch Fragen und Tests herausfindet, warum dein Hund so ein aggressives Verhalten zeigt. Danach bespricht er/sie mit dir Trainingsvarianten und erstellt dir ein Angebot, wie er dich im Training unterstützen kann. Durch die passenden Trainingstipps und deine Konsequenz in der Umsetzung stellen sich die gewünschten Erfolge ein. ABER: Es dauert halt und kostet etwas mehr Geld.

6. Es in der Erziehung von Hunden nicht um das Erlernen von Tricks gehen sollte, sondern um Erziehung und Beziehung. Und diese braucht/kann man sich nicht (zu) erkaufen.

7. Vielen Hunden, nach einer Studie von Gregory Berns von der Emory University in Druid Hills, das gesprochene Lob wichtiger oder gleich wichtig, wie das Futter ist. Dies können wir im Zusammenleben mit unseren Hunden bestätigen. Wenn wir unsere Border-Collie-Damen Cathy und Dörte ansehen, dann würden sie unser Lob und unsere Zuwendungen dem Futter vorziehen. Sie würden auch Futter nehmen, aber eher mit den „Worten“ ‚Na gut, weil du es möchtest‘. Bei unserem Labradorrüden Benny war dies hingegen etwas anders. Er hätte sicher eher das Futter bevorzugt und dann erst das Lob angenommen, getreu dem Motto: ‚Na gut, weil du es magst, mich zu streicheln‘. Wenn wir uns also mehr Zeit nehmen würden, unsere Hunde zu verstehen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen, dann würden wir feststellen, dass es keines Leckerlis bedarf.

Wir haben unsere Hunde ohne Leckerlis erzogen. Sie kennen es nicht, für ein einfaches „Sitz“ Futter zu bekommen, und setzen sich trotzdem sofort, wenn wir sie dazu auffordern. Wir müssen auch nie darauf achten, immer Leckerlis mitzunehmen und darauf zu hoffen, dass sie sich setzen, wenn wir sie auffordern. Unsere Hunde setzen sich, weil WIR es sind. IHRE Menschen, mit denen etwas Tolles passiert am Tag.

Ihr habt Bock auf so eine Erziehung? Dann schaut in unsere Angebote und lernt, wie ihr es anders machen könnt.

Zur Ergänzung. Auch wenn wir keine Leckerlis zur Erziehung nehmen, würden wir sie zum Thema Wohlfühlen immer als alternative Variante empfehlen. Da geht es aber um Tierarztbesuch, Zecken entfernen, Krallen schneiden, Maulkorb angewöhnen und so etwas.

Eure HundeLEHRER (LErne Hunde Richtig ERziehen)